Wozu das alles gut sein soll läßt sich vielleicht aus den Texten hier entnehmen:
Kurze Einordnung des Umsonstladens in den Kontext von Gesellschaft, Ökonomie Zusammenleben und Zukunftsaussichten.
Unser erstes Konzept vom Juli 2004 mit den Grundsätzen des Ladens.
Erwerbsarbeit, also das Prinzip „Arbeiten gehen zu müssen, um Geld zu verdienen, um konsumieren und leben zu können“, gehört für die meisten Menschen zu den alltäglichen Zwängen der Existenzsicherung. Ein Großteil der Zeit und Energie muss dafür „verbraucht“ werden, sich die notwendigen finanziellen Mittel für den Lebensunterhalt und für die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse (Unterkunft, Essen, Gebrauchsgegenstände, Kultur) zu erwirtschaften.
Das kapitalistische Ideal besteht darin, einen guten Job zu haben, möglichst viel Geld zu verdienen und sich dann ein „schönes Leben“ zu kaufen. Danach sollen alle streben. Diese Logik dient hervorragend den Interessen des Kapitals, das sich stets vermehren möchte, jedoch nichtden Menschen:
1.Der Traum der Vollbeschäftigung ist aus.
„Nimm nie einen Menschen, wenn du auch eine Maschine nehmen kannst“ (The Matrix) und wenn du schon einen Menschen nehmen mußt, nimm den billigsten. Das ist die Logik des Kapitals und der Profitmaximierung. Menschen zählen für sie nicht. Natur auch nicht. Was „zählt“ sind eben nur Unkosten und vor allem der Gewinn, der Profit. Im Zuge der von ihnen gemachten Globalisie-rung werden sich die „Global Player“, die größten und weltweit organisierten Kapitalisten ihrer Macht erst so richtig bewußt und merken, wie sie Städte, Regionen, Staaten und ganze Kontinente gegeneinander ausspielen können mit dem einfachen Argument: “Die da hinten machen das aber billiger“. Die Politik reagiert „im Namen der Bürger“ natürlich sofort und schafft„Investitionsanreize“, macht sich zum Bittsteller und stellt die lokalen Ressourcen zur Ausbeutung freundlichst zur Verfügung.
Trotz allen Bemühens steigt die Anzahl derjenigen, die nicht am Ideal der Arbeits- und Konsumgesellschaft teilnehmen können stetig. Andererseits wurde in Deutschland noch nie so viel produziert, das Bruttosozialprodukt erreicht ebenfalls stetig neue Rekorde und noch nie gab es so viel privates Geld im Land. Warum? Die Antwort ist einfach. Die Arbeits- und Produktionsprozesse sind mittlerweile so intelligent automatisiert, daß wir einfach nicht mehr so viele Menschen benötigen, um die nötigen und unnötigen Güter herzustellen, die wir verbrauchen.
Arbeitgeber und Aktionäre haben jedoch kein Interesse daran möglichst vielen Menschen eine Arbeit zu geben, sondern daran, selbst mehr zu verdienen. Da sind die Maschinen eben besser geeignet.
2.Wir vernichten unsere Lebensgrundlagen
Rücksichtslos verbrauchen wir alle Ressourcen, die wir auf der Erde finden. Wenn wir Autofahren, fragen wir nicht nach dem Schaden, den wir der Welt anrichten, sondern nach den Kosten, die unser Portemonnaie betreffen. Wir fragen nicht oft, welche Wälder, welche Regionen, welche Tierarten, welche Flüsse, Seen und Küsten durch unsere Art zu leben gerodet, überflutet, bedroht und verseucht werden. Selbst die Luft zum Atmen wird verpestet und die zukünftigen Lebensgrundlagen werden leichtfertig aufs Spiel gesetzt, anstatt uns zu besinnen: Was ist wirklich wichtig, was brauchen wir zum Leben? Was macht uns Freude? Wie schön wäre es, achteten viele Menschen etwas mehr auf sich selbst und ihre tatsächlichen Bedürfnisse und auf ihre Umgebung.
3.Ein schönes Leben ist nicht käuflich.Genügsamkeit ist eine Eigenschaft, die in unserer Zeit fast zu einem Fremdwort geworden ist. Täglich verheißen Medien und Werbung immer neue Dinge, die wir unbedingt brauchen. Anstatt aufs Land zu fahren geht's am Wochenende zum Shopping, ständig auf der Jagd nach dem neuesten Schnäppchen. Maßlosigkeit breitet sich aus und hinter all dieser Maßlosigkeit versteckt sich der Mangel. Kaufen ist Ersatz für emotionale Erfüllung. Kommunikation von Mensch zu Mensch tritt immer mehr in den Hintergrund. Und wenn geredet wird, dann oft nur noch über Dinge, die man hat oder zu kaufen plant. Die Aufmerksamkeit liegt auf den Dingen, nicht mehr bei sich selbst oder seinen Mitmenschen. Viele Menschen blicken derart nur noch auf das äußere Haben und sind nicht mehr in der Lage einmal in sich hineinzuschauen.
Wieviel besser geht es da denjenigen, die mit wenig zufrieden sind? Die nicht das neueste vom Neuen und allen Schnickschnack brauchen, sondern darüber nachdenken, was sie tatsächlich benötigen. Wieviel besser geht es denen, die erkannt haben, daß sie nur dann zufrieden sein können, wenn sie mit sich selbst und ihren sozialen Beziehungen zufrieden sind? Dann wird all der Trubel um irgendwelche Dinge leiser und unwichtiger. Weniger ist mehr!
Mit dem Umsonstladen versuchen wir diese Logik des Arbeitens und Konsumierens, die uns allen und der Welt schadet, bewußt zu machen und einen kleinen Schritt in eine andere Richtung zu gehen. Wir folgen dabei einer Idee, bei der wieder die Menschen im Mittelpunkt stehen.
Sie beinhaltet, daß wir Menschen uns selbst helfen können unser Leben besser zu machen, anstatt nach dem Staat zu schreien. Durch den Umsonstladen entkoppeln wir uns ein kleines Stück aus der kapitalistischen Logik, da wir hier Dinge bekommen, ohne dafür zu bezahlen und ohne dafür arbeiten zu müssen. Dinge, die bereits da sind und die ohne eine Vermittlung zwischen den Menschen verstauben oder weggeworfen werden würden. Der Laden zeigt, daß wir Menschen unsere vorhandenen Möglichkeiten nur erkennen müssen, um uns zu helfen. Je weiter wir uns selbst durch derartige vertrauensvolle Systeme zwischen den Menschen vernetzen, desto weniger sind wir vom Arbeits- und Konsumkreislauf abhängig und desto mehr treten wir heraus aus der Isolation. Andere Beispiele solcher Ansätze sind z.B. Tauschringe, Wohngemeinschaften, Volksküchen, Selbsthilfegruppen, Einkaufskooperativen oder Nutzergemeinschaften, die es auch in Rostock gibt oder die Sie einfach gründen können.
Der Umsonstladen ist nur ein kleiner Schritt, aber er birgt eine Idee in sich, die unsere Zukunft sein könnte.
Bestimmt fällt Dir auch was ein, wo man mit anderen Menschen kooperieren kann, um einen Teil des Lebens einfacher, günstiger, leichter, gerechter oder einfach nur schöner zu machen. Wenn Du eine Idee hast, setzte sie einfach um!
Vielleicht findest Du auch bei uns Mitstreiter oder in Deiner Nachbarschaft, Deinem Verein, Deiner Firma, Deiner Familie, Deinen Freunden.......
1. Fassung vom 2. Juli 2004
Grundprinzipien:
Gegenseitiges Vertrauen und Kooperation statt Mißtrauen und Konkurrenz
Für eine Wertschätzung der Dinge statt einer Wegwerfgesellschaft
ökologische Aspekte: Ressourcenschonung
ökonomische Aspekte: Vermeidung unnötigen Geldausgebens
politische Aspekte: Ermöglichung des Warengebrauchs ohne finanzielle Bedingungen
Solidarisierung der Menschen durch Kommunikation & Kooperation
Schnittstelle sozialer Kommunikation zwischen verschiedensten Menschen
Integration von Menschen, die aus dem Gesellschaftssystem rutschen
Lernen von Akzeptanz und Toleranz durch vielfältige menschliche Kontakte
Information über alle alternativen lokalen Projekte und Experimente
Zusammführung der Alternativen z.B.: TR, SoBi, BSB, Ökohaus usw.
Anregung für Möglichkeiten des „Tun-Könnens“ statt Hilf- und Nutzlosigkeit
Initiative von unten - „Von den Menschen für die Menschen“
Basisdemokratische und hierarchiefreie Strukturen abseits der großen gesellschaftspolitischen Organisationen
Aktive entscheiden unter Berücksichtung aller betroffenen Interessen, wie sie den Laden führen wollen
Organisationen können den Laden wie Menschen unterstützen, solange die Grundsätze gewahrt bleiben
Was der Umsonstladen konkret macht:
Der UL soll ein sozialer Ort sein, an dem sich Menschen treffen können und miteinander ins Gespräch kommen. Der Laden selbst stellt ein Stück gelebte Alternative zur herkömmlichen Warenwirtschaft dar. Produkte, die nicht mehr benötigt werden, können umsonst gebracht und abgeholt werden. Vor diesem Hintergrund des Ladens kommen leicht Gespräche über weitere Zusammenhänge und Handlungsmöglichkeiten zustande. Durch eine Informationsauslage soll der UL einen Knotenpunkt alternativer Projekte der Region bilden. Durch diese Sammlung und Zurverfügungstellung von Informationen dient der UL zur Anregung von Menschen, die Initiative erneut zu ergreifen, etwas zu tun.
Grundregeln:
Gegenseitiges Vertrauen
Produkte nur zum eigenen Gebrauch
Tolerante Drei-Teile-Regel: Nicht mehr als drei Teile mitnehmen
Annahme von Waren, die sich bequem tragen lassen, außer Kleidung
Waren müssen sauber und brauchbar sein
Aktive können gebrachte Waren jederzeit begründet ablehnen
Keine Parteipolitik oder Werbung im Laden
Hinweis auf Spenden unabhängig vom Geben oder Nehmen