ROSTOCK UMSONST
Ein
paar Hintergedanken
Erwerbsarbeit, also das Prinzip „Arbeiten gehen zu
müssen, um Geld zu verdienen, um konsumieren und leben zu
können“, gehört für die meisten
Menschen zu den alltäglichen Zwängen der
Existenzsicherung. Ein Großteil der Zeit und Energie muss
dafür „verbraucht“ werden, sich die
notwendigen finanziellen Mittel für den Lebensunterhalt und
für die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse
(Unterkunft, Essen, Gebrauchsgegenstände, Kultur) zu
erwirtschaften.
Das kapitalistische Ideal besteht darin, einen guten Job zu haben,
möglichst viel Geld zu verdienen und sich dann ein
„schönes Leben“ zu kaufen. Danach sollen
alle streben. Diese Logik dient hervorragend den Interessen des
Kapitals, das sich stets vermehren möchte, jedoch nichtden
Menschen:
Der Traum der Vollbeschäftigung ist aus.
„Nimm nie einen Menschen, wenn du auch eine Maschine nehmen
kannst“ (The Matrix) und wenn du schon einen Menschen nehmen
mußt, nimm den billigsten. Das ist die Logik des Kapitals und
der Profitmaximierung. Menschen zählen für sie nicht.
Natur auch nicht. Was „zählt“ sind eben
nur Unkosten und vor allem der Gewinn, der Profit. Im Zuge der von
ihnen gemachten Globalisie-rung werden sich die „Global
Player“, die größten und weltweit
organisierten Kapitalisten ihrer Macht erst so richtig bewußt
und merken, wie sie Städte, Regionen, Staaten und ganze
Kontinente gegeneinander ausspielen können mit dem einfachen
Argument: “Die da hinten machen das aber billiger“.
Die Politik reagiert „im Namen der Bürger“
natürlich sofort und
schafft„Investitionsanreize“, macht sich zum
Bittsteller und stellt die lokalen Ressourcen zur Ausbeutung
freundlichst zur Verfügung.
Trotz allen Bemühens steigt die Anzahl derjenigen, die nicht
am Ideal der Arbeits- und Konsumgesellschaft teilnehmen können
stetig. Andererseits wurde in Deutschland noch nie so viel produziert,
das Bruttosozialprodukt erreicht ebenfalls stetig neue Rekorde und noch
nie gab es so viel privates Geld im Land. Warum? Die Antwort ist
einfach. Die Arbeits- und Produktionsprozesse sind mittlerweile so
intelligent automatisiert, daß wir einfach nicht mehr so
viele Menschen benötigen, um die nötigen und
unnötigen Güter herzustellen, die wir verbrauchen.
Arbeitgeber und Aktionäre haben jedoch kein Interesse daran
möglichst vielen Menschen eine Arbeit zu geben, sondern daran,
selbst mehr zu verdienen. Da sind die Maschinen eben besser
geeignet.
Wir vernichten unsere Lebensgrundlagen
Rücksichtslos verbrauchen wir alle Ressourcen, die wir auf der
Erde finden. Wenn wir Autofahren, fragen wir nicht nach dem Schaden,
den wir der Welt anrichten, sondern nach den Kosten, die unser
Portemonnaie betreffen. Wir fragen nicht oft, welche Wälder,
welche Regionen, welche Tierarten, welche Flüsse, Seen und
Küsten durch unsere Art zu leben gerodet, überflutet,
bedroht und verseucht werden. Selbst die Luft zum Atmen wird verpestet
und die zukünftigen Lebensgrundlagen werden leichtfertig aufs
Spiel gesetzt, anstatt uns zu besinnen: Was ist wirklich wichtig, was
brauchen wir zum Leben? Was macht uns Freude? Wie schön
wäre es, achteten viele Menschen etwas mehr auf sich selbst
und ihre tatsächlichen Bedürfnisse und auf ihre
Umgebung.
Ein schönes Leben ist nicht
käuflich.
Genügsamkeit ist eine Eigenschaft, die in
unserer Zeit fast zu einem Fremdwort geworden ist. Täglich
verheißen Medien und Werbung immer neue Dinge, die wir
unbedingt brauchen. Anstatt aufs Land zu fahren geht's am Wochenende
zum Shopping, ständig auf der Jagd nach dem neuesten
Schnäppchen. Maßlosigkeit breitet sich aus und
hinter all dieser Maßlosigkeit versteckt sich der Mangel.
Kaufen ist Ersatz für emotionale Erfüllung.
Kommunikation von Mensch zu Mensch tritt immer mehr in den Hintergrund.
Und wenn geredet wird, dann oft nur noch über Dinge, die man
hat oder zu kaufen plant. Die Aufmerksamkeit liegt auf den Dingen,
nicht mehr bei sich selbst oder seinen Mitmenschen. Viele Menschen
blicken derart nur noch auf das äußere Haben und
sind nicht mehr in der Lage einmal in sich hineinzuschauen.
Wieviel besser geht es da denjenigen, die mit wenig zufrieden sind? Die
nicht das neueste vom Neuen und allen Schnickschnack brauchen, sondern
darüber nachdenken, was sie tatsächlich
benötigen. Wieviel besser geht es denen, die erkannt haben,
daß sie nur dann zufrieden sein können, wenn sie mit
sich selbst und ihren sozialen Beziehungen zufrieden sind? Dann wird
all der Trubel um irgendwelche Dinge leiser und unwichtiger. Weniger
ist mehr!
Mit dem Umsonstladen versuchen wir diese Logik des Arbeitens und
Konsumierens, die uns allen und der Welt schadet, bewußt zu
machen und einen kleinen Schritt in eine andere Richtung zu gehen. Wir
folgen dabei einer Idee, bei der wieder die Menschen im Mittelpunkt
stehen.
Sie beinhaltet, daß wir Menschen uns selbst helfen
können unser Leben besser zu machen, anstatt nach dem Staat zu
schreien. Durch den Umsonstladen entkoppeln wir uns ein kleines
Stück aus der kapitalistischen Logik, da wir hier Dinge
bekommen, ohne dafür zu bezahlen und ohne dafür
arbeiten zu müssen. Dinge, die bereits da sind und die ohne
eine Vermittlung zwischen den Menschen verstauben oder weggeworfen
werden würden. Der Laden zeigt, daß wir Menschen
unsere vorhandenen Möglichkeiten nur erkennen müssen,
um uns zu helfen. Je weiter wir uns selbst durch derartige
vertrauensvolle Systeme zwischen den Menschen vernetzen, desto weniger
sind wir vom Arbeits- und Konsumkreislauf abhängig und desto
mehr treten wir heraus aus der Isolation. Andere Beispiele solcher
Ansätze sind z.B. Tauschringe, Wohngemeinschaften,
Volksküchen, Selbsthilfegruppen, Einkaufskooperativen oder
Nutzergemeinschaften, die es auch in Rostock gibt oder die Sie einfach
gründen können.
Der Umsonstladen ist nur ein kleiner Schritt, aber er birgt eine Idee
in sich, die unsere Zukunft sein könnte.
Bestimmt fällt Dir auch was ein, wo man mit anderen Menschen
kooperieren kann, um einen Teil des Lebens einfacher,
günstiger, leichter, gerechter oder einfach nur
schöner zu machen. Wenn Du eine Idee hast, setzte sie einfach
um!
Vielleicht findest Du auch bei uns Mitstreiter oder in Deiner
Nachbarschaft, Deinem Verein, Deiner Firma, Deiner Familie, Deinen
Freunden.......